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Automatische Kommissionierung Drucken

Automatische Kommissionierung - Ein komplexes Thema.

Mit diesem Begriff ist ein Vorgang gemeint, welcher selbstständig (also „automatisch“) alle oder bestimmte Kundenaufträge mit einem Lieferrückstand durchsucht, eine Warenzuteilung nach verschiedenen Kriterien vornimmt und nach Überprüfung festlegt, ob eine Lieferung vorgenommen werden kann, oder nicht.

Falls ein Auftrag die zugrunde gelegten Merkmale erfüllt, wird in der Regel ein Kommissionsschein ausgedruckt. Falls nicht, erfolgt keine Aktion oder es wird eine Reservierungsanweisung ausgelöst.

Bei sinnvoller Definition der Such- und Prüfkriterien ist der Einsatz der automatischen Kommissionierung nicht nur ein sehr nützliches, sondern vor allem ein enormes zeit- und kostensparendes Werkzeug. Man denke hier vor allem an Kundenaufträge mit Lieferterminen oder an mögliche Restlieferungen aufgrund eines Wareneingangs.

Zunächst einmal sollte man entscheiden, welche Aufträge automatisch verarbeitet werden dürfen und welche nicht.

Die einfachste Variante ist sicherlich die, das alle Aufträge, welche vom Rückstand betrachtet zu 100% geliefert werden können und zum liefern anstehen (d.h. der vorgegebene Liefertermin ist erreicht), kommissioniert werden. Restaufträge werden im Anschuss manuell bearbeitet, um keine unsinnigen Teillieferungen auszulösen.

ImageFalls ein Betrieb nach der Prämisse arbeitet, alles was an Ware vorhanden ist, soll auch geliefert werden und der Rest wird entweder nachgeliefert oder automatisch ausgebucht, kann man die automatische Kommissionierung ebenfalls gut einsetzen.

Wer möchte, dass auch Teillieferungen sinnvoll erfolgen, muss dem System weitere Kriterien zur Verfügung stellen.

Grundsätzlich sind bei der Kommissionierung folgende Aspekte zu beachten:

1. Wie werden die Aufträge durchsucht ?

Fair und im Sinne von Kundenbestellungen ist sicherlich die Priorisierung nach Auftragseingang, d.h. die ältesten Aufträge werden zuerst auf ihre Lieferfähigkeit geprüft. Sicherlich kann es wünschenswert sein, den Aufträgen selbst eine Priorität zuzuordnen und nach dieser Reihenfolge vorzugehen. Aber auch andere Kriterien, wie z.B. bestimmte Auftragsarten (wie Export und Rahmenabruf) könnten wichtig sein.

2. Welche Aufträge werden durchsucht ?

Das sollte man am besten ganz variabel einstellen können. Sicherlich brauchen nur Aufträge durchsucht werden, deren Liefertermin erreicht ist. Aber auch weitere Kriterien, wie z.B. an welchen Wochentagen wird der Kunde beliefert oder ist ein bestimmter Auftragswert erreicht etc. kann eine Rolle spielen. Bei bestimmten Firmen wird z.B. auch nach Vertreter kommissioniert, weil jeder Vertreter für die Auslieferung seiner Aufträge zuständig ist.

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Werden nicht grundsätzlich alle Aufträge durchsucht ist zu beachten, dass die vorhandene Lagerware möglicherweise nur unter den zutreffenden Aufträgen aufgeteilt wird und somit eine faire Verteilung nicht möglich ist. Besser wäre an dieser Stelle, alle Aufträge mit Lieferrückständen zu durchsuchen aber nur jene zu kommissionieren, welche aufgrund der Suchkriterien gewünscht werden.

3. Welche Kriterien bestimmen die Lieferfähigkeit ?

Üblicherweise wird eine Lieferfähigkeit nach Liefermenge und Lieferwert in Prozent ermittelt.

Wenn z.B. von 100 rückständigen Teilen in einem Kundenauftrag nur 80 Teile geliefert werden können, haben wir eine Lieferfähigkeit nach Menge von 80%. Wenn der Wert dieser 80 Teile jedoch nur 500,00 Euro ausmacht, während die 100 Teile 2000,00 Euro kosten, beträgt die Lieferfähigkeit nach Wert nur 25%.

ImageEbenso könnte man natürlich nach Liefergewicht, Liefervolumen oder anderen Größen auswerten.

Falls nicht nach der einfachen Variante verfahren wird, d.h. die Lieferfähigkeit muss 100% betragen, könnte man nach einer variablen Schwelle arbeiten, welche z.B. pro Auftrag festgelegt wird.

Eine Unterscheidung zwischen Erst- und Restaufträgen kann auch sinnvoll sein. So kann sich z.B. die Lieferfähigkeit eines Restauftrags nach der Lieferfähigkeit eines vorhandenen Erstauftrags des gleichen Kunden orientieren (Versandkostenoptimierung).

Denkbar ist aber auch, dass von vornherein festgelegt wird, welche Positionen nicht teilgeliefert und/oder nur zusammen mit anderen Positionen ausgeliefert werden dürfen. Somit ist ein Auftrag erst dann lieferfähig, wenn die Positionen entsprechend zusammengehalten werden können.

Bei einer Terminbestellung auf Positionsebene bzw. bei einem Rahmenauftrag mit festgelegten Lieferplänen pro Position, ermittelt sich die Lieferfähigkeit ohnehin nur aufgrund der anstehenden Teile.

Andere Kriterien wie z.B. optimale Verpackungseinheiten sollten bereits bei der Erfassung eines Auftrags berücksichtigt werden.

4. Wie erfolgt die Warenzuteilung ?


Bei Einzelartikeln, d.h. Lagerware welche einzeln eingekauft und wieder einzeln verkauft werden und die zudem einen festen Lagerplatz haben, ist in der Regel nichts weiter zu beachten. Falls bestimmte Aufträge oder Auftragspositionen eine Lagervorgabe haben, darf die Ware natürlich nur von diesen Lägern entnommen werden. Ebenso verhält es sich bei der Vorgabe von Qualitätskriterien und anderen Merkmalen.

ImageFalls Sonderbestellungen oder auch Sonderproduktionen aufgrund des Kundenauftrags ausgelöst wurden, muss das System natürlich auf den entsprechenden Wareneingang warten.

Bei Set-Artikeln, d.h. mehrere Lagerartikel ergeben einen Verkaufsartikel, kann jeweils nur ein ganzes Vielfaches zugeteilt werden.

Bei Chargen- und/oder Mehrplatzverwaltung kann es sinnvoll sein, die Zuteilung nach bestimmten Kriterien vorzunehmen, wie z.B. älteste Charge zuerst oder Artikel mit nächstem Verfallsdatum zuerst oder Artikel aus bevorzugtem Lagerplatz zuerst etc..

Optimalerweise sollte man die benötigten Kriterien sowie eine Kombination daraus bei jedem Artikel individuell festlegen können.

5. Was passiert, wenn die Lieferfähigkeit nicht erreicht ist ? 

Eine Möglichkeit kann lauten: falls ein Auftrag nicht lieferfähig ist, nehmen wir ihm zu Gunsten der anderen Aufträge die Ware wieder weg. Das kann allerdings dazu führen, dass bestimmte Aufträge des öfteren bei der Lieferzuteilung durchfallen. Wenn kritische Artikel enthalten sind, kann es sinnvoll sein, statt einem Kommissionsschein eine Reservierungsanweisung auszulösen, d.h. es wird wenigstens jene Ware weggelegt, welche dem Auftrag von seiner Priorität her zusteht.

Es sollte aber auch die Möglichkeit existieren, dass die Ware, welche einem Auftrag zugeteilt wurde, zunächst für alle nachfolgenden Aufträge nicht zur Verfügung steht. Mit dieser Möglichkeit trägt man wiederrum einer fairen Verteilung Rechnung.

Alle Aufträge, welche nicht geliefert werden können aber aufgrund der Kriterien geliefert werden sollten, sollten optimalerweise im Anschluss manuell bearbeitet werden können, um diverse Teillieferungen auszulösen. Denkbar wäre auch ein eigener Lauf zur Kommissionierung aller Aufträge, welche alleine nie die Lieferfähigkeit erreichen können oder eventuell sogar nie erreichen sollen, z.B. alle Restlieferungen oder entsprechend sensible Vorgänge.

6. Was kann zusammengefasst werden ?

Eine weitere Optimierung kann sicherlich dadurch erreicht werden, dass mehrere lieferfähige Aufträge eines Kunden zu einem Sammelkommissionsschein zusammengefasst werden. Je nach Notwendigkeit, einzelne Bestellungen bei der Lieferung trennen zu können, sollten jedoch die Positionen nicht grundsätzlich, sondern nur optional zusammengefasst werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, nach der automatischen Kommissionierung einen Sammelschein über alle benötigten Artikel zusammengefasst nach Artikel oder einzeln je Auftrag auszudrucken. Dieser könnte auch nach Lagerort sortiert und/oder nach Lagerbereich oder Kommissionierer getrennt sein, um den Vorgang des Herrichtens zu Beschleunigen.

Letzteres sollte natürlich auch für jeden einzelnen Kommissionsschein gelten können.

Weitere Kriterien für einen Sammelschein könnte auch die Aufteilung nach Tourennummer, nach Versandart, nach Laderampe u.s.w. sein.

Die aufgeführten Beispiele und Kriterien beleuchten sicherlich nicht alle Aspekte zu dem Vorgang der automatischen Kommissionierung. Sie geben jedoch einen Einblick über gängige Methoden aber auch über die Komplexizität dieses Themas.

Fakt ist aber, wie Eingangs bereits erwähnt, die enormen Zeit- und Kosteneinsparungen die der Einsatz eines solchen Moduls mit sich bringt. Es lohnt sich daher allemal, sich etwas in der Materie zu vertiefen, um den eigenen Nutzen besser abwägen zu können.

Ch. Dorsch, 23.03.2006

 

 
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